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Gear

(Größere Ansicht)

 

  Ich benutze Ernie Ball Slinky  .009 - .046 (Nr. 2241) den es so normal zu kaufen gibt.  

 

Meine weiße 61er Strat

als PDF zum downloaden (ca. 1,5 Mb).

Die Stratocaster war schon immer ein Faszinosum für mich. Noch bevor ich 1980 überhaupt anfing Gitarre zu spielen, hatten sich bereits Bilder der Gitarristen meiner Plattencover – das waren damals die Shadows, Ritchie Blackmore von Deep Purple und die Dire Straits – in mein Hirn gebrannt. Warum gerade diese Bilder? Mochte ich die Musik einfach mehr als die der anderen Bands wie Santana oder The Who? Heute bin ich mir da sicher: Es war der Anblick, wie die Gitarristen diese Gitarre an Ihrem Körper trugen. Sie schmiegte sich mit ihren weichen, runden und klassischen (ja weiblichen Formen) an die Helden an. Irgendwie schien aus meiner Sicht eine ganz besondere Energie von der Strat zu kommen. Und die Jungs hielten ihre Gitarren mit der gleichen Leidenschaft und Grazie wie Tänzer ihre Damen. Zudem hat dieses Design aus den Fünfzigern auch noch Anleihen an klassische Musikinstrumente.

Meine erste E-Gitarre war eine Aria Strat Kopie. Kurz darauf folgten Gitarrenmodelle anderer Hersteller. Da war auch schon die eine oder andere Strat dabei. Ich stellte schnell fest, dass jede Strat anders klang und ihre eigene Qualität oder auch „Nichtqualität“ hatte. Die einen klangen total dünn und glasig, die anderen dumpf bis mumpfig und wieder andere etwas hohl. Dennoch konnte man auf allen diesen Gitarren etwas spielen wenn man den jeweiligen instrumentenspezifischen Charakter nutzte. Hörte sich ein Lauf bei der einen Gitarre super an, so klang dieser bei einer anderen häufig nicht so gut – zumindest war das mein damaliger Eindruck. Heute würde ich dieses Phänomen eher als Persönlichkeit des Instruments bezeichnen, eben die Charaktereigenschaft, zu der diese Ecken und Kanten unbedingt dazugehören.


Long train running
Diese Vergleiche entwickelten sich im Laufe der Jahre zu meiner persönlichen Entdeckungsreise verschiedenster Gitarren und Verstärker. Es folgten einige Käufe und Verkäufe von Instrumenten, bis schlussendlich der Wunsch nach einer originalen Pre-CBS Fender Stratocaster aufkam. Um an das Ziel zu gelangen, verkaufte ich damals alle E-Gitarren, die ich besaß. Hierzu gehörten auch drei Squier JV Modelle aus den frühen Achtzigern – damals bereits sehr gute Replikas dieser Pre-CBS Gitarren, die auch heute noch in Sammlerkreisen sehr begehrt sind.

Hamburg, ich komme!
Michael Frank Braun, ein befreundeter Gitarrenbauer aus meiner Heimat dem Saarland, wechselte gerade nach Hamburg. Dort repariert er seitdem Gitarren für den bekannten Musikladen No.1 und baut auch weiterhin seine eigenen Modelle. Ich hatte ihn gebeten, sich in der Großstadt für mich umzusehen. Eines Tages kam der lang erwartete Anruf. Er hatte zwei Instrumente an Land gezogen: eine 64er in Three-Tone-Sunburst von Ex-Udo Lindenberg-Gitarristen Thomas Kretschmer und eine weiße 61er. Da ich damals noch keinen Führerschein hatte, fuhr ich über Nacht mit der Bahn nach Hamburg. Ich kam so gegen 7:00 Uhr morgens am Hauptbahnhof an. Zum ersten Mal in Hamburg, lief ich erst mal beeindruckt durch die Straßen der Stadt, bis ich nach einigem Umschauen und Kaffeetrinken so gegen 9:00 Uhr in der Werkstadt von Michael Frank Braun und Peter Werner am Schulterblatt ankam.
Nachdem ich beide Gitarren gespielt und begutachtet hatte, gab es ein Problem: Die 64er war die bessere Gitarre, aber mit 4.000 DM für mich zu happig. Auch die weiße für 3.200 DM war qualitativ O. K., aber nicht so ein Original, wie man es sich eben wünscht. Also fragte ich nach, ob da bei Letzterer preislich noch Luft wäre, worauf Michael noch mal mit dem Verkäufer telefonierte und dank seines Verhandlungsgeschicks 2.300 DM aushandelte.


Bettgeflüster
Ich war glücklich und natürlich müde, weil ich die ganze Nacht im Zug nicht geschlafen hatte. Der Deal war gemacht und Michael bot mir an, dass ich in seine Wohnung gehen und mich erst mal ausschlafen sollte. Also ging ich mit meinem Neuerwerb in seine Wohnung, legte mich ins Bett, nahm die Gitarre überglücklich neben mir unter die Bettdecke. Da lag sie nun: die 61er Fender Strat in Olympic-White mit dem superfetten, dunklen Brazillian Rosewood- Griffbrett und den wunderschönen Clay Dots. Sie war mein! Seitdem habe ich mit dieser Gitarre fast jeden Gig gespielt und auch bestimmt einige 100 Studiotracks aufgenommen, bin mit ihr bestimmt schon fünfmal um die Welt geflogen. Das verbindet. Hey, wer diese Gitarre jemals klaut ist tot! Dafür sorgt schon mein albanischer Freund Tony, ein kriegserfahrener Sicherheitsbeamter mit einem großen Herz für meine Musik.


Original?
Nun ein paar Details zu dieser Player-Gitarre. Sie hat einige seltsame Eigenschaften, das fängt bereit mit der Lackierung an. Schon beim Kauf rätselte ich mit Michael darüber, ob der Lack wirklich original war. Die reichlich vorhandenen „Crackles“ (Haarrisse) ließen auf original Nitrolack schließen. Damals war es noch nicht so interessant, brutal genau zu fälschen, denn solche Gitarren wurden ja „nur“ mit ca. 4.000 DM gehandelt. Außerdem herrschte weder das genaue Knowhow noch das Bewusstsein über Originalität als Qualität. Seinerzeit war gerade Eddie van Halen und Achtziger-Rock angesagt. Ein Humbucker amSteg war total trendy – ja schon fast ein Muss für jeden Rockgitarristen. Keine Spur von Retro-Wahn und Vintage-Boom. Deshalb waren die Fälscher noch lange nicht so weit wie heute. Wir wussten aber auch schon, dass es sich bei dieser Gitarre um eine Custom-Colour handelte, denn sie war ja nicht im damals üblichen Three-Tone-Sunburst ausgeführt. Michael erzählte mir, dass man wohl in den Sechzigern solche Gitarren auf spezielle Anfragen auch bei Fender umlackierte. Ich hatte einen alten Nitrolack drauf und nicht das Gefühl beschissen zu werden. Also war der Deal für mich in Ordnung und bei dem Preis wollte ich auch gar nicht mehr wissen.


Schrauben, löten, neu bundieren

Später habe ich dann etliche Experimente mit dieser Gitarre durchgeführt. Für einige Zeit schraubte ich ein bereits mit Tonabnehmern bestücktes schwarz-weiß-schwarzes Schlagbrett darauf. Hals- und Stegtonabnehmer-Positionen wurden getauscht und ein Reverse-Wound-Reverse-Polarity-Pickup in die mittlere Position eingebaut. Damit hatte ich auf dem Fünfwegschalter zwei Stellungen, die nicht brummten. Zusätzlich kam noch ein Push-Push-Poti dazu, mit dem ich einen Dummy-Coil für die Positionen Hals und Steg zur „Entbrummung“ schalten konnte. Zudem kleidete ich den Innenraum unter dem Schlagbrett noch mit Abschirmlack aus. Irgendwann wollte ich dann doch zur originalen Optik zurück und habe das neue Pickguard gegen das alte Celluloid gewechselt. Dabei stellte ich fest, dass es den Sound trockener und „dosiger“ machte. Es gab aber noch einen anderen
Effekt. Manchmal hörte ich mit dem schwarzen Plastikschlagbrett ein Knistern. Das war jetzt weg! Meine Erklärung dafür ist: ich habe wohl durch ständiges Reiben meiner Finger auf dem Schlagbrett elektrostatische Aufladungen erzeugt. Mit dem Celluloid-Schlagbrett und der dünnen Aluminium-Abschirmscheibe waren die störenden Knack Geräusche verschwunden.
Irgendwann fiel mir dann noch ein 66er Pickup in die Hände, der mir aufgrund des runderen Tons in der mittleren Position besser gefiel. Nur leider war dieser eben nicht Reverse- Wound-Reverse-Polarity. Die Lösung fand ich bei Andreas Kloppmann, einer Empfehlung von Manfred Reckmeyer. Der Bremer ist Amp-Tuner und Technik-Guru für Gitarristen wie Peter Weihe. Peter ist übrigens heute immer noch Deutschlands meist gebuchter Studiogitarrist, ich schätze ihn sehr. Ich quälte Andreas eine ganze Weile damit mir diesen Tonabnehmer nachzubauen. Nach einigen Versuchen hatte ich dann meinen 66er in Reverse-Wound-Reverse-Polarity. Nachdem Andreas’ Arbeit mich überzeugt hatte, bekam er die „Chance“ für ein weiteres Projekt.


Stimmstabil
Geoffrey Whitehorn, damals noch Marshall-Vorführer, heute bei Hughes & Kettner, gab mir zur Musikmesse einen entscheidenden Tipp. Mir war gerade mal wieder einen Tremolohebel abgebrochen und das Gewinde des Hebels saß im Block fest. Er meinte ich sollte das Gewinde des Tremolohebels mit etwas Teflonband umwickeln, welches normalerweise zum Abdichten von Gewinden bei Wasserleitungen benutzt wird. Damit verhindert man den direkten Kontakt vom Metall des Hebels zum Bock. Das Ausweiten des Gewindes wird so verhindert und das nervige „Schlackern“ vermieden. Nach einigen Versuchen, was die Einstellung des Tremolos betrifft, habe ich für mich herausgefunden, dass ich eine Freefloating- Einstellung bevorzuge, bei der ich die G-Saite eine kleine Terz nach oben ziehen kann. Ich habe mehrere Federn für das Tremolo getestet. Nun benutze ich drei sehr harte Exemplare, von der eine schräg eingebaut ist. Keine Ahnung, ob das wirklich was ausmacht, aber ich bilde mir ein, dass es die Stimmstabilität verbessert. Den Stringtree legte ich mit einem Abstandshalter, wie er zum Verschrauben von Platinen in der Elektronik verwendet wird, so hoch, dass die Saiten möglichst wenig Druck nach unten in die Kerbe des Sattels bekommen, aber dennoch die H-und E-Saite nicht bei heftigem Anschlag aus der Nut springen. Ach ja, und an der elektronischen Verschaltung habe ich noch einiges modifiziert. Beim Lautstärkeregler lötete ich einen kleinen 180 pF Kondensator, von Eingang zum Ausgang, um beim Abdrehen des Volumen- Potis den Höhenverlust zu verhindern. Zum Reduzieren der Brummgeräusche wurde hier der Dummy-Coil eingebaut. Diesen kann ich über einen Push-Push-Schalter überbrücken,
so dass der originale Klang der Tonabnehmer erhalten bleibt. Eingeschaltet ist ein kleiner Verlust an Höhen zu beklagen. Diese Modifikation ermöglicht mir mit der Strat High- Gain-Sounds zu spielen, auch wenn die Bühne mal mit Elektrosmog verseucht ist. Heute baut man Noisless-Pickups, bei denen der Dummy-Coil quasi direkt im Pickup mit eingebaut ist. Das funktioniert sehr gut, nur sind es dann keine original alten Tonabnehmer mehr, die ja bekanntlich dem Instrument noch ein Quäntchen mehr Leben und Charakter verleihen.
Eines gibt es bei der Verwendung meines Dummy-Coils zu beachten. Das Brummen reduziert sich nur etwa um die Hälfte. Den Restbrumm regele ich dann immer noch mit dem Lautstärkeregler weg. Das erfordert Übung, aber es lohnt sich! Ich habe damit zwar mehr Stress, kann dafür aber die alten Orginal-Pickups spielen. Mit diesem Kompromiss kann ich ganz gut leben. Nachdem meine Bünde durch vieles Spielen echt platt waren, hat mit Jörg Tandler von Morgaine Guitars die Gitarre neu bundiert. Er wies mich darauf hing, dass mein Griffbrett zu trocken und fertig ist, somit eine weiter Bundierung sehr problematisch sein könnte, weil da „nix mehr hält“. Ich bat ihn, mir die härtesten Bünde einzusetzen, damit ich damit noch lange spielen kann – obwohl ich mir darüber im Klaren war, dass diese etwas zu grell klingen würden.


Fertig
Nun ja, in dieser Konfiguration spiele ich meine Gitarre nun seit vielen Jahren und bin damit recht zufrieden. Mal sehen, ob noch etwas kommt, was ich umbauen oder ausprobieren will. Zur Zeit kann ich mir allerdings nichts Elementares mehr vorstellen. Über die Jahre haben die Gitarre und ich so eine Art inneren Frieden geschlossen. Das bringt Ruhe und Vertrauen. Daher spiele ich oft auch Gigs ohne Ersatzgitarre. Und wenn mal eine Saite reißt, gibt es halt ein unerwartetes Schlagzeugsolo, das der musikalischen Darbietung auch gerne mal zu neuen Höhepunkten verhelfen kann. Ende dieses Jahres soll es eine „Blugcaster“ der Marke Vintage geben. Ich werde versuchen das Bestmögliche für 400 Euro Ladenpreis aus dem Projekt herauszuholen. Dazu werde ich einige Tage mit Trevor Wilkinson in England verbringen und ihn mit meinen Erfahrungen und Vorstellungen „quälen“. Ich bin gespannt darauf, ob es uns gelingt, ein wirklich inspirierendes Instrument in dieser Preisklasse an den Start zu bringen.
Ja, und was macht der eingangs erwähnte Gitarrenbauer Michael Frank Braun heute? Er arbeitet beim Fender Customshop in Kalifornien. Schön, wie die Dinge ihren Lauf nehmen.